Es gibt Projekte, bei denen man spürt: Hier wird nicht nur gebaut, hier wird vor allem erzählt. Das Hallenbad in Hückeswagen ist so ein Projekt. Es beginnt mit einer Zahl. 29,8 Millionen Euro. Eine Zahl, die heute sachlich im Wirtschaftsplan steht und als Ergebnis besonders vorsichtiger Planung verkauft wird. So vorsichtig, dass man sich fragt, ob hier ein Schwimmbad entstehen soll – oder ein Raumfahrtzentrum mit Chloranschluss.
 
Als Referenz dient gern der Neubau eines Hallenbades in Leichlingen. Das klingt zunächst plausibel. Leichlingen hat ein neues Bad, es funktioniert, es steht. Warum also nicht abschauen? Der Vergleich endet allerdings dort, wo man genauer hinsieht. Leichlingen hat fast doppelt so viele Einwohner wie Hückeswagen, eine eigene städtische GmbH, einen steuerlichen Querverbund zur Verrechnung von Verlusten mit Energiegewinnen und vor allem ein Baugrundstück ohne Altlasten. Hückeswagen dagegen bringt zwei Brände, jahrzehntelangen Betrieb und viele offene Fragen zum Baugrund mit. Inzwischen ist bekannt, dass Bodenproben entnommen wurden; wurde eine PFAS-Untersuchung durchgeführt (Brandlast Gutachten)? Genau deshalb ist der Boden kein Nebenaspekt, sondern ein potenzieller Kostentreiber – oder eben nicht. Solange die Ergebnisse fehlen, bleibt offen, ob mögliche Bodenmaßnahmen bereits in den fast 30 Millionen Euro enthalten sind oder später noch hinzukommen.
 
Bemerkenswert ist der Blick zurück.
Bereits 2023 hatte der Arbeitskreis Hallenbad der AfD Hückeswagen die Kostenentwicklung analysiert und öffentlich gemacht, dass ein Neubau bis zu 30 Millionen Euro kosten könne. Diese Zahl wurde damals von der politischen Mehrheit als überzogen, unrealistisch oder populistisch abgetan. Heute, rund zwei Jahre später, findet sich nahezu exakt dieselbe Summe ganz offiziell im Wirtschaftsplan wieder. Die Zahl hat sich also nicht geändert – nur ihre politische Einordnung. Was 2023 als Panikmache galt, heißt 2026 „vorsichtige Planung“.
 
Der AfD-Arbeitskreis hatte 2023 jedoch nicht nur vor hohen Neubaukosten gewarnt, sondern auch eine Sanierungsalternative benannt. Eine Machbarkeitsstudie vom 27.03.2023 ging von 17,5 Millionen Euro für eine umfassende Kernsanierung aus – inklusive energetischer Sanierung, Photovoltaikanlage, Gastronomie, Saunalandschaft und Außenanlagen. Selbst eine kostensenkende Stahlkonstruktion für das Hallendach wurde diskutiert. Die Sanierung war technisch möglich. Sie wurde politisch nicht weiterverfolgt.
 
Der Neubau wird dagegen gern mit klaren Vorteilen beworben: alles neu, moderne Technik, geringerer Instandhaltungsaufwand, sauber ausgerichtet auf Schulen, Vereine und Kurse. Das klingt beeindruckend – bis man kurz innehält. Denn all das ließe sich auch im Rahmen einer konsequenten Kernsanierung umsetzen. Technik neu, Ausstattung neu, Energieeffizienz neu, Nutzungskonzept neu. Der Unterschied liegt im Wesentlichen darin, dass beim Neubau auch die Grundmauern neu sind. Oder anders gesagt: Der planerische Mehrwert des Neubaus besteht vor allem darin, dass man vorher alles abreißt.
 
Hinzu kommt die Kostenseite. Ausgehend von 13,5 Millionen Euro Baukosten in Leichlingen wird auf 18,9 Millionen Euro (Stand 2023) indexiert. Anschließend werden 40 Prozent Baupreissteigerung und 10 bis 15 Prozent Unvorhergesehenes addiert – Ergebnis: 29,8 Millionen Euro. Gleichzeitig nennt der CDU-Text selbst einen realen Baupreisindex von plus 6,7 Prozent zwischen 2023 und 2025. Rechnet man diesen Index an, landet man bei rund 20,2 Millionen Euro. Die Differenz entsteht also nicht durch reale Preisentwicklung, sondern durch eine Worst-Case-Rechnung auf Vorrat – genau jene Art von Kalkulation, auf die der AfD-Arbeitskreis bereits 2023 hingewiesen hatte.  https://www.facebook.com/afdhueckeswagen/
 
Erschwerend kommt hinzu: Es gibt bislang keinen Totalübernehmer, keine Angebote, keine Ausschreibungsergebnisse. Man kennt den Maximalbetrag, aber noch nicht den Marktpreis. Die AfD Hückeswagen hat hierzu aktuell Anfragen gestellt, unter anderem zu den laufenden Bodenuntersuchungen und deren möglichen Kostenfolgen. Antworten stehen noch aus.
 
Am Ende geht es nicht um die Frage, ob Hückeswagen ein Bad braucht – natürlich braucht es eines. Es geht um das Wie. Ein Neubau bietet einen klaren Schnitt, kostet aber sehr viel, bleibt im Angebot reduziert und ist mit zusätzlichen Unsicherheiten behaftet. Eine Sanierung wäre deutlich günstiger gewesen, hätte vergleichbare technische Standards ermöglicht und mehr Aufenthaltsqualität geboten, wurde jedoch politisch verworfen. Dass die heute offiziell bestätigten Kosten bereits 2023 vom AfD-Arbeitskreis benannt wurden, ist kein Zufall, sondern zeigt: Das Kostenproblem wurde nicht neu entdeckt – es wurde nur lange ignoriert.
 
Oder, um es etwas einfacher zu sagen:
Nicht jede unbequeme Zahl ist populistisch. Manche sind einfach nur früh dran.
 
In diesem Sinn
Anderson Black